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Gesamter Erntebericht: Download

Erntebericht 2015

Erstellt von Karl Schmitz SchapfenMühle GmbH & Co. KG Franzenhauserweg 21, 89081 Ulm-Jungingen

Frau Ulrike Künkele-Seibold, Getreideeinkauf, und Vertragslandwirt Herr Reiner Seemaier bei der Sichtprüfung während der Anlieferung

In Deutschland waren die Witterungsbedingungen im Herbst 2014 zur Aussaat optimal. Vom Feldaufgang bis zur Vegetationsruhe Ende Dezember herrschten sehr milde Temperaturen vor, die eine gute Bestandsentwicklung zuließen. Generell entwickelten sich die Pflanzen entsprechend der jeweiligen Standorte sehr unterschiedlich, sodass Kulturen auf leichten Sand- oder Kiesböden deutlich stärker unter der Trockenheit litten, als die auf schweren Lehmböden mit besserer Speicherkapazität. Die extreme Trockenheit im Frühjahr sowie die Hitzewelle ab Juni führte zu niedrigerem Proteinaufbau und Wachstum. Der Stickstoff wurde zwar nicht vollständig aufgenommen, hat sich aber aufgrund der reduzierten Erträge zu guten Proteinmengen ausgewirkt. Allerdings wurden auf den leichten Böden die Proteinmengen vom Vorjahr nicht erreicht. Zur Kornausreifung des Weizens hat die notwendige Feuchtigkeit gefehlt.
Die Getreideernte hatte nach der anhaltenden Trockenheit und Hitze im Juli / August bei guten Drusch-bedingungen recht früh begonnen. Die Landwirte im äußersten Süden und im Norden des Landes hatten normale bis gute Erträge. Von der Trockenheit besonders betroffen waren Teile Bayerns, Hessens, Rheinland-Pfalz und den östlichen Bundesländern, die deutliche Ertragseinbrüche verzeichnen mussten. Mit 24,6 Mio. Tonnen fällt laut dem Dt. Bauernverband die Weizenernte ca. 11 % kleiner aus als 2014, während beim Roggen mit 3,2 Mio. Tonnen sogar 15 % weniger als im Vorjahr gedroschen worden ist.
Österreich hat das Ernteniveau des Vorjahres erreicht. In Frankreich und England wurde eine Rekordweizenernte, quantitativ wie auch qualitativ gemeldet. Dennoch wird es in der EU-28 eine deutlich reduzierte Erntemenge geben. Voraussichtlich werden knapp 302 Millionen Tonnen (2014: 329 Millionen Tonnen) erwartet. Dennoch wird bisher keine Preisverbesserung für den Landwirt erkennbar. Dies liegt an den gut gefüllten Getreidelägern aufgrund der Rekordernten des vergangenen Jahres und der guten Versorgungslage.
Den trockenheitsbedingten Ernteeinbußen in Teilen Europas wie z.B. in Deutschland stehen Rekorderwartungen weltweit gegenüber.
Für die globalen Endbestände schätzt das USDA (Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten) ein Rekordniveau für die weltweite Weizenernte 2015 von 221,5 Mio. Tonnen, was ein Plus von 1,7 Mio. Tonnen bedeutet. Hauptgründe sind die vortrefflichen Ernten in Nordamerika, der russischen und kasachischen Schwarzmeerregion und der Türkei. Dieses hohe globale Getreideangebot ist für die deutschen Bauern nicht die beste Verkaufsperspektive. Die Mühlen und Futtermittelhersteller sind teils bis Dezember 2015 gedeckt. Aufgrund der geringeren Nachfrage sehen die Bauern angesichts des aktuellen Preisniveaus keinen Grund zur Vermarktung und lagern ein wie noch nie, um auf bessere Preise zu hoffen. Die Auswirkungen auf die Getreidepreise, insbesondere auf Roggen, müssen abgewartet werden. Aufgrund der geringen Maisernte kann es möglich werden, dass die Futtermittelhersteller und Biogasbetreiber im großen Stil anderes Getreide zukaufen müssen.