Erntebericht 2011

Erstellt von Karl Schmitz Carl Künkele zur SchapfenMühle GmbH & Co. KG Franzenhauserweg 21, 89081 Ulm-Jungingen

Einlagern oder verkaufen. Auch Landwirte sind Spekulanten.

Im Herbst 2010 konnten die Landwirte das Saatgut durch anhaltenden Regen erst etwas später ausbringen. Die jungen Getreidepflanzen sind gut durch den langen, kalten Winter gekommen.

Im Frühjahr sind laut Deutschem Wetterdienst im bundesweiten Durchschnitt nur 41 % der langjährig üblichen Niederschläge angekommen. Dies führte zu einer akuten Frühjahrstrockenheit.

Ende Mai war die Witterung von extrem trocken auf sehr regenreich umgeschlagen. Der Juli 2011 war der niederschlagreichste Monat seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auf Standorten mit tiefgründigen Böden wurde so noch eine gute Kornausbildung erreicht. Zugute kam auch, dass hier die Pflanzen die Stickstoffgabe der Spätdüngung noch umsetzen konnten. Bei leichten, wasserdurchlässigen Böden kam der Regen zu spät und die Düngung wurde nicht oder nur in geringerem Maße aufgenommen. Hier war die Kornausbildung teils 10% - 50 % geringer. Roggen war deutlich stärker betroffen als Weizen und Dinkel.

Der Erntebeginn setzte in diesem Jahr früher ein. Wie bereits beschrieben haben heftige Regenfälle bundesweit, besonders dramatisch im Norden und Osten, die Ernte stocken lassen. Die Ernte wurde dadurch insgesamt erheblich erschwert und verzögert. Die Erntekosten stiegen an. Oft musste das Getreide mit 18 - 21 %, statt mit 14 - 15 % Feuchte gedroschen werden. Hohe Trocknungskosten sind die Folge.

Der Dauerregen hat den Getreidebeständen auf dem Feld sowohl in der Ertragsmenge als auch in der Qualität stark zugesetzt. Die Fallzahlen machen den Landwirten in den kritischen Regionen dieses Jahr zu schaffen. Zusätzlich sind in diesem Jahr die Produktionskosten, vor allem im Düngemittelbereich, stark angestiegen.

Der Norden und Osten war extrem von der Frühjahrstrockenheit wie auch von langen Regenperioden während der Ernte betroffen. Positiver stellte sich die Situation im Süden und Westen dar: Je weiter nach Süden, desto weniger die Niederschläge. Das Brotgetreide in Baden-Württemberg und Bayern weist insgesamt gute Qualitäten auf, jedoch mit einem Minderertrag zum Vorjahr. Die regionale Versorgung mit Brot-Dinkel, -Roggen und -Weizen ist gesichert, aber mit höheren Kosten für gute Qualitäten.

Die Preisfindung ist dieses Jahr wieder sehr differenziert. Mindererträge, geringere Qualitäten, verstärkt im Norden und Osten. Trockene Partien werden von den Landwirten selbst eingelagert, feuchte Partien werden zu den Mühlen gebracht. Eine Trocknung von 18 % auf 14 % Feuchtigkeit kostet den Müller etwa 17 € / t. Zusätzlich entstehen den Mühlen hohe Kosten durch das Separieren beim Einlagern. Die Getreideanbauer spekulieren sehr auf steigende Preise bei Qualitätsgetreide. Die Abgabebereitschaft der Landwirte ist trotz guter Verkaufspreise gering.

Die schwächere Weltwirtschaft mit dem Einbruch der Aktienmärkte, freigewordenes Kapital aus Öl Spekulationen, fehlende Angebote und Nachfragen aufgrund der Preisunsicherheit von Verkäufern und Käufern haben einen undurchsichtigen Markt geschaffen. Das Kapital fließt mal hierhin, mal dorthin. Die allgemeine Unsicherheit überlagert alles. Zur Zeit ist die Tendenz nach oben zu erkennen.

Beim Weizen gibt es zum Vorjahr einen Mengenrückgang von etwa sechs Prozent. Das langjährige Mittel wird noch deutlicher um 9,4 Prozent verfehlt (Durchschnitt 2005 bis 2010: 45,7 Millionen Tonnen). Noch schwächer fiel die Ernte beim Roggen aus, der zweiten Brotgetreideart. Mit 2,5 Millionen Tonnen wurden fast 15 Prozent weniger geerntet.

Für die EU-27 geht die Europäische Kommission von einer durchschnittlichen Getreideernte von 279 Millionen Tonnen aus. Einer weltweiten Produktionssteigerung steht ein weiterer höherer Verbrauch entgegen.

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Dinkel Erntebericht 2011

Weizen Erntebericht 2011

Roggen Erntebericht 2011