Die genetische Herkunft des Dinkels

 

Alles was kriecht und fliegt, aber auch alles was wächst und blüht, die Tiere und Pflanzen, sind das Ergebnis der Evolution, also der Ausbildung unterschiedlichster Pflanzen und Tiere im Laufe eines sehr langen Zeitraums. Zwischen 6000 und 5000 vor unserer Zeitrechnung zeigt die botanische Systematik die spontane Einkreuzung des Wildgrases „Aegilops squarroasa“ in Emmer. 

Durch diese Einkreuzung, die in der Evolution ohne Einfluss des Menschen passiert ist, ist Dinkel entstanden.
Diese hexaploide Art Dinkel hat 21 Chromosomen (einfacher Satz), ebenso wie die sich später daraus entwickelte unbespelzte Form, die wir heute als Weichweizen bezeichnen.
Deshalb sind Dinkel und Weizen kreuzbar. Dinkel ist also älter als Weizen.
(Quelle: Harlan 1981, Kema 1992 und Zohary und Hof 1994).

Das Einkorngenom AA verband sich mit dem BB-Genom des aegilops speltoides zum Emmer. Die Einkreuzung des DD-Genoms von aegilops squarrosa als spontanes evolutionäres Ereignis führt zur hexaploiden Reihe des Triticums und primär ist dieses Triticum bespelzt. Die Bespelzung selber ist genetisch nur auf einem Gen fixiert. Aus der Dinkelreihe hat sich dann im Laufe der Evolution die Nacktform des Dinkels, nämlich Weizen, entwickelt.

Selten bilden solche zufälligen Kreuzungsprodukte auch Samen. Hier aber hat die Natur etwas geschaffen, was nicht nur fruchtbar, sondern auch etwas ganz Besonderes ist, nämlich eine neue Pflanze, die Körner während der Zeit auf dem Feld durch feste Spelzen solange umhüllt lässt, bis entweder Tiere die Spelze aufbeißen, oder der Mensch die Körner schält, um dann daraus seine Nahrung zu machen. In der Bronzezeit (4000 -1000 v. Chr.) hat sich Dinkel vom Nahen Osten, wo er spontan entstanden ist, über den Balkan und viel später bis nach Europa ausgebreitet. Die früheste Erwähnung findet man in der Bibel in Exodus 9. Vers 30, Jesajah 28, Vers 25 und Ezeciel 4, Vers9.

In Europa, vor allem in Deutschland, wurde Dinkel schon frühzeitig, parallel zu Weizen, der dann allerdings wegen größerer Erträge überhand nahm, angebaut. Im 3. - 5. Jahrhundert wurde Dinkel heimisch im süddeutschen Raum, in der Nordschweiz und Vorarlberg. So ist auch der Name "Das Korn der Alemannen" entstanden. Ortsnamen wie Dinkelsbühl, Dinkelhausen, Dinkelscherben und Dinkelrode, sowie die Familiennamen Dinkelacker oder Dinkelmann und schließlich das umgangssprachliche Synonym Schwabenkorn für Dinkel weisen auf die einstige Bedeutung dieses Getreides im schwäbischen Sprachraum hin.

1900 wurden die Mendelschen Gesetze wieder entdeckt mit der Konsequenz, dass man ab diesem Zeitpunkt intensiv und gezielt Pflanzen mit gewünschten Eigenschaften gekreuzt hat (Bastardisierung).

Theodor Römer-Bromberg hat 1914 eine außerordentlich interessante Veröffentlichung herausgebracht: "Mendelismus und Bastardzüchtung der landwirtschaftlichen Kulturpflanze".

Die Information in dieser Schrift ist sehr wichtig, weil hier klar dokumentiert wird, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts praktisch alle vorhandenen Dinkel-Sorten mit Weizen verkreuzt wurden. Selektiert wurde teilweise in Richtung Dinkel und teilweise in Richtung Weizen.

Dinkel-Weizen-Kreuzungen verbesserten unter anderem die Standfestigkeit, weil Dinkel im Halm zu lang war. Die Erträge nahmen damals als Folge der Erkenntnisse Justus Liebigs in der Düngemittelanwendung stark zu, was auch zu Problemen in der Standfestigkeit führte. Mit kürzeren Pflanzen versuchte man die Standfestigkeit zu verbessern um damit einen höheren Ertrag durch höhere Düngung zu ermöglichen.

Seit Mendel werden Dinkel-Weizen-Kreuzungen durchgeführt. Anschließende Rückkreuzungen mit Dinkel erfolgen zur Wiedererlangung der typischen Dinkeleigenschaften. Dazu sind die Selektionen während der sog. Mendelschen Spaltungsgenerationen mehr oder weniger auf die dinkeltypischen Eigenschaften ausgerichtet. Ausgangsmaterial für diese Kreuzungszüchtung waren häufig bestehende Landsorten. Diese waren züchterisch nur wenig durchgearbeitet, wiesen aber bestimmte, für die Kreuzungszüchtung gewünschte Anpassungsmerkmale an die jeweilige Region auf.

Dinkel wird heute oftmals so verstanden (und dargestellt), als wäre es ein aus Urzeiten überliefertes Evolutionsprodukt, an dem nie etwas verändert worden ist und das niemals züchterisch gekreuzt wurde. In der Tat ist es genau umgekehrt und die Aufzeichnungen von Th. Römer-Bromberg belegen dies.

Begriffe wie „Urdinkel“ sind nicht korrekt und können weder in botanischer noch in Hinsicht auf die Bearbeitungsqualität eindeutig definiert werden.

Zum Shop